Phrix: Erst muss das Quecksilber aus dem Boden....

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Gestern abend ging es im Bauausschuss um die Pläne für das Phrix Gelände. Übereinstimmende Meinung aller Parteien: Gut, dass sich etwas an der Industrieruine tut. Aber aus Sicht der WPH nur unter ein paar wichtigen Auflagen!

 

Problem Bodenverseuchung

Erstaunlich war es schon, dass weder CDU, FWG und FDP oder die neue Opposition aus SPD und Grünen zu den vorliegenden Bodengutachten im Detail Stellung bezogen. Dafür kann es eigentlich nur 2 Gründe geben: Entweder haben die Parteienvertreter das Bodengutachten nicht gelesen bzw verstanden (was aber gerade beim Inhaber eines Entsorgungsunternehmens wie Klaus Schindling eher unwahrscheinlich ist) oder man hat sich ganz bewusst über das Thema ausgeschwiegen. Ganz gleich, was nun zutrifft: dies kann nicht im Sinne der Stadt und ganz sicher nicht im Sinne der zukünftigen Bewohner der Phrix sein.

Wo liegt das Problem?

Bodengutachten Phrix Seite 1Im Boden der Phrix liegt nach dem Gutachten der Kühn Geoconsulting ein schwerwiegender Mix aus Schwermetallen und hochgradig giftigen Elementen wie zum Beispiel Arsen, Quecksilber, Blei, Cadmium, Kupfer und Zink in Konzentrationen, die Kühn Geoconsulting als "gefährliche Abfälle im Sinne der Abfall Verzeichnis Verordnung AVV" beschreibt.

Mehr als die Hälfte aller Beprobungen ergab Überschreitungen des zulässigen Grenzwertes nach LAGA Z2 (LAGA = Länderarbeitsgruppe Abfall, einer Richtlinie wie Abfälle zu behandeln bzw zu entsorgen sind) insbesondere für Quecksilber und Blei - mithin also ausgesprochen giftigen Substanzen.

Gemäß den Beprobungen ist Quecksilber um das 11,5 fache höher konzentriert als maximal zulässig, die Bleikonzentration wird knapp 3 fach überschritten - bei Zink erreicht der Phrix Boden sein absolutes Spitzenergebnis mit einer 28 fach höheren Konzentration als es der Z2 Grenzwert zulässt. Ein außergewöhnlicher Giftmix!

Phrix Bodengutachten Kühn GeoconsultingFolgerichtig beschreibt Kühn Geoconsulting auch das Fazit mit der Einstufung "sehr hoch, weil mehrfache Überschreitung der Grenzwerte" nach den Richtlinien des HLUG (Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie) für die Beprobungen 10a/4, 15/3, 15/4 und 30/3

Doch Kühn Geoconsulting hat sich noch deutlich mehr Arbeit gemacht, als diese Bodenbelastungen nur gegen die LAGA Verordnungen zu prüfen, sondern hat das deutlich komplexere, aber genauere Verfahren der rheinland-pfälzischen Alex02- Liste mit herangezogen. In dieser Liste sind "Zielebenen nach Prüfwert (oPW)" für das Maß der Verschmutzung und resultierende "Gefahrenabwehr für den Menschen" definiert sondern gleichzeitig auch "Sanierungszielwerte (oSW)" vorgegeben. 

Als Ergebnis dieser Prüfung nach Alex02 kommt Kühn Geoconsult zu folgendem, vernichtenden Ergebnis: "Während bei der ersten Untersuchung KEINE Probe den für Wohnungsnutzung relevanten Prüfwert oPW2 eingehalten hatte, unterschritten in der aktuellen Untersuchung auch nur 3 Proben diese Grenze" (Seite 19 von 27)

Soweit also zu den gutachterlichen Feststellungen. 

Entscheidender für die Aufstellung eines Bebauungsplanes aber ist, dass Kühn Geoconsulting in seinem "Sanierungsplan" in der Anlage 7 ganz klar den "zur Sanierung notwendigen Bodenaushub" gerade im Bereich der Spritfabrik fordert. Dies steht im diametralen Widerspruch zu den vorgestellten "Sanierungskonzepten" der Prinz von Preussen AG, die lediglich eine "Versiegelung" der Fläche in Betracht zieht. Hier sollen also bereits im Vorfeld die Weichen für eine Sanierung gestellt werden, die mit dem Gutachten und seinen Sanierungskonzepten nicht mehr in Übereinstimmung zu bringen sind. 

Deshalb kann und wird hier keine Zustimmung der WPH zum angedachten Bebauungsplan erfolgen - es sei denn, Prinz von Preussen entschließt sich kurzfristig dazu, die Vorgaben der Kühn Geoconsulting auch tatsächlich einzuhalten und umzusetzen.

P.S: Wirklich erstaunlich aber ist, dass gerade seitens der Hattersheimer Grünen bei einem solchen Bodenverseuchungsgrad kein Aufschrei des Entsetzens über solche Pläne erfolgte - das mag dann erklären wer will. 

   

   

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