Fortsetzung: Geheimnisvolles Rathaus-Geschäft

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Jetzt scheint die Verwirrung über den Verkauf des Okriftler Rathauses perfekt zu sein. Anscheinend war der Rathausverkauf derart geheim, dass nicht einmal die Stadtverordneten einig sind, worüber sie eigentlich abgestimmt haben. 

 

Nachdem die Rathausspitze höchste Geheimhaltungsstufe in Sachen  Rathausverkauf verhängt hatte, der Erlös fürs Rathaus streng geheimgehalten wird und selbst die grundsätzliche Debatte der Stadtverordneten über diesen Deal unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, wächst nun die Zahl der kritischen Stimmen und Fragen rund um diesen ominösen Verkauf.

Gab es nun mehrere Angebote für das alte Rathaus? Wurde den Stadtverordenten zwei Angebote zur Abstimmung vorgelegt, oder nur eins? Und wurde der Verkauf des Rathauses eigentlich ausreichend bekannt gemacht?
Derzeit scheint es,  als wüssten die Stadtverordenten selbst nicht, wieviele gültige Angebote ihnen vorgelegt wurden. FWG-Mann Torka spricht in einem öffentlichen Brief, von nur einem Angebot und erklärt damit, die Stadtverordneten hätten also keine andere Wahl gehabt. Widersprüchlich dazu äußert sich aber der eigene Fraktionskollege Spengler und auch der Sprecher der Stadt Stefan Käck. Demnach soll ein zweites Angebot vorgelegen haben. Allerdings soll dieses erst nach Ablauf der Frist im Rathaus eingegangen sein.

Noch verwirrender wird die Sache, wenn man die Aussagen der Stadt von November 2014 bemüht: Eine Immobilienmaklerin hatte wohl unabgesprochen das Rathaus im Internet beworben. Die Presse hatte die gefunden Anzeige detailliert beschrieben: "In einem Immobilien-Portal wurde das Gebäude als ein „Haus der tausend Möglichkeiten“ und vielseitig nutzbares Baudenkmal mit 20 Zimmern angepriesen." Hier der Screenshot, den Pro Hattersheim damals gesichert hatte. 

Die Stadt zeigte sich wenig amüsiert und hatte die Maklerin aufgefordert die Anzeige sofort zu löschen. ( Wieso diese kostenlose Bewerbung des Rathausverkaufs verhindert wurde, ist nicht nachvollziehbar. )
In diesem Zusammenhang erklärte die Presse am 26. November: "Wie viele Bieter bereits ein Angebot eingereicht haben, dazu gibt es aus dem Rathaus keine Auskunft. Es seien darunter aber drei Interessenten aus der Stadt, sagt Köster, die zum weiteren Verfahren erklärt, dass nicht unbedingt das höchste Gebot das Rennen machen wird."
 

Heißt: Kurz vor Ende des Bieterverfahren (12. Dezember 2014) haben laut  Köster mindestens vier Angebote vorgelegen. Darunter drei Bieter aus der Stadt.

Das ist ein erstaunlicher Schwund. Was ist mit den übrigen Angeboten, die laut Bürgermeisterin fristgerecht eingegangen sein müssen? Und wieso hatte die Stadt schon vor Ende des Bieterverfahrens den Hinweis geben können, dass nicht unbedingt das höchste Gebot zum Zuge kommt? Hatte man sich schon zuvor festgelegt? Ja, das ist bisher Spekulation. Dazu passt aber auch die öffentliche Kritik, die nun auch von Seiten der CDU zu hören ist: SIe moniert, dass der Rathausverkauf nicht ausreichend beworben worden sei. Nicht einmal die beiden Immobilenmakler aus den Reihen der CDU sollen Kenntnis von dem Angebot gehabt haben.

Was auch immer hinter den verschlossenen Türen der Ausschusssitzung tatsächlich besprochen wurde, was auch immer im Rathaus mit den eingegangenen Angeboten geschehen ist: Der geheimnisvolle Verkauf des Okriftler Rathauses wirft ein seltsames Licht. Er lässt mehr Fragen offen, als es Antworten gibt.

- Was ist mit den berichteten Angeboten vom November 2014?
- Wie kann es sein, dass Stadtverordnete einem Verkauf zustimmen und nachher nicht klar ist, ob denn nur ein Angebot oder noch  eine Alternative zur Wahl stand?
- Wieso flammt  Kritik über eine unzureichende Bewerbung erst auf, wenn die Entscheidung längst gefallen, der Verkauf beschlossen wurde? Wäre es nicht sinnvoll und sogar notwendig, solche vermuteten Missstände  rechtzeitig zu benennen, wenn noch Zeit zur Verbesserung bleibt?

 

Schließlich: Das Höchster Kreisblatt hatte in seinem Bericht vom 16.Mai  darauf hingewiesen, dass Alt-Bürgermeister Hans Franssen nicht in die Verkaufsgespräche zwischen AWO und Stadt involviert war.

Franssen ist bekanntlich Vorsitzender des AWO Ortsverbandes. Verkauft wurde das Rathaus allerdings an den AWO Kreisverband Main Taunus. Der Vollständigkeit halber bleibt hier zu erwähnen: Mitglied des Vorstands im AWO Kreisverband ist Beisitzer Manuel Schiewe, SPD Stadtverordneter.

 

 

 

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