314.000 € neue Schulden für intakte Wasserleitungen

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"Im Geibelweg sind die Wasserleitungen aufgrund von Materialermüdungserscheinungen auszuwechseln (....) Zur Finanzierung dieser investiven Maßnahmen ist eine Kreditaufnahme von 314.000,- € vorgesehen" so stand es im Haushaltsplan des Eigenbetriebes Stadtwerke der Stadt Hattersheim als Bestandteil des Haushaltsplanes 2014! Und so wurde es mit der Mehrheit der rot-grünen Regierung auch verabschiedet!

Austausch intakter Wasserleitungen in Haushaltsplan 2014OK, wenn die Leitungen tatsächlich "müde" sind, vielleicht sogar stark korrodiert oder vom anhaftenden Kalk massivst zerfressen sind, dann wird ein Austausch sicher unumgänglich sein!  So sicher die Denke der beschließeneden Stadtverordneten bei der Verabschiedung des Haushaltsplanes 2014 von Bürgermeisterin Antje Köster. Und so auch ganz sicher die Denke der Bürger und Anlieger, die sicher in den meisten Fällen nicht über das notwendige Fachwissen verfügen um entscheiden zu können, ob dies wirklich notwendig ist oder nicht - denn man muss ja auch ein Stück weit auf das fachliche Know-How und die daraus resultierenden Ergebnisse der "Spezialisten" aus dem von Erster Stadträtin Karin Schnick geführten Dezernat II vertrauen können!  Wozu sonst bezahlen wir diese Leute mit unseren vielen Steuergeldern?

Was aber vielleicht erst beim zweiten Durchlesen an dieser Stelle auffällt ist sicher das Faktum, dass in der Kalkulation der Stadtwerke aus dem Jahr 2013 neben den 105.000,- € Kosten für den Austausch der so "maroden" Wasserleitung auch bereits Einnahmen in  Höhe von 23.000,- € als "Kostenerstattung der Grundstückseigentümer" veranschlagt werden. Dabei hatte zum Zeitpunkt der Erstellung des Haushaltsplanes 2014 seitens der Stadt Hattersheim noch niemand mit den Grundstückseigentümern Kontakt aufgenommen, geschweige denn die Bereitschaft der Anlieger zum Austausch der Hausanschlüsse abgefragt! Ein doch reichlich seltsam anmutendes Geschäftsgebaren eines kommunalen Eigenbetriebes.

Anschreiben Stadtwerke Hattersheim Seite1Anschreiben Stadtwerke Hattersheim Seite 2 Mitte September erreichte die Anlieger des Geibelweges dann das links abgebildete Dokument der Stadtwerke - gespickt mit einer Reihe von Aussagen, die man sich einfach mal näher anschauen sollte:

1) "...ist es dringend erforderlich, die alten, erneuerungsbedürftigen Trinkwasseranschlüsse im öffentlichen Straßenbereich auszuwechseln! Dabei bietet es sich an, den Anschluss auch gleichzeitig im privaten Bereich (..).kostengünstig zu erneuern" 

2) "Sollte jedoch später der alte Hausanschluss in Ihrem Grundtsück, z.b. im Mauerwerk oder unter der Einfriedung defekt werden, entstehen Ihnen dann erheblich höhere Kosten (....) Daher wird die Auswechselung auch im Grundstücksbereich unsererseits dringend für notwenig erachtet. "

3) Ganz dick kommt es dann im Folgesatz, der zur Nachdrücklichkeit bewusst auch in fett geschrieben wurde: " Durch das zur Verwendung kommende Rohrmaterial aus Polyehtylen (PE) entfallen jegliche, eventuell noch vorhandene und seither geduldete Erdungen am Trinkwasserrohrnetz!"

Reichlich viel Drohkulisse seitens der Stadtwerke Hattersheim, zumindest für "Otto-Normalanlieger", der sich um solche Details sicher bislang kaum gekümmert hat und immer davon ausgegangen ist, dass mit seinem Haus alles in Ordnung ist.

Erste Fragen aber stellten sich anhand der ganz einfachen geografischen Gegebenheiten und den Zeiträumen der Errichtung des Trinkwassernetzes:
Wieso ausgerechnet Geibelweg und Hegelweg?
Was ist mit all den anderen Straßen im Dichterviertel wie z.B dem Arnimweg, der Heimat von Ex-Bürgermeister Hans Franssen? Oder dem Hebbelweg und damit dem Domizil der grünen Magistratsfrau Margarete Schmitt-Reinhardt?
Müssten denn da die städtischen Wasserleitungen nicht genauso "marode" und "erneuerungsbedürftig" sein, wie im Geibelweg auch?

Natürlich müssten auch dort die Leitungen ausgetauscht werden, wenn man der Argumentation der Stadtwerke folgen würde. Zum gleichen Zeitpunkt (1972 - 1974)  verlegt, zum gleichen Zeitpunkt in Betrieb genommen müssten ALLE Leitungen des Dichterviertels heute kurz vor dem Kollaps stehen! 
Aber keine Sorge: Nichts von alledem ist auch nur ansatzweise wahr!

a) DIe dringende Erfordernis des Austausches "der alten, erneuerungsbedürftigen Trinkwasseranschlüsse im öffentlichen Bereich" basiert auf einem Leitungsrohrbruch zwischen Linsenberger Straße und Geibelweg vor wenigen Jahren und hatte, nach aktuellen Erkenntnissen beim Öffnen der Straßendecke, einen ganz banalen Grund:
"Ein simpler Fehler beim Verfüllen des Schachtes" so die Aussage der Fachkräfte vor Ort!  "Da hat ein Stein auf die Leitung gedrückt!"

Was aber viel wichtiger ist: Die dort vorgefundene Wasserleitung ist eine Polyurethan-Leitung (PE), so, wie sie in kommunalen Wasserversorgungsnetzen seit den späten 50er Jahren, spätestens aber seit Mitte der 60er Jahre flächendeckend verlegt wird! Die Reihen- , Doppel- und Einzelhäuser im Dichterviertel entstanden aber allesamt erst im Zeitraum von 1972 bis 1974!  Sollte das etwa den Stadtwerken der Stadt Hattersheim als Betreiber des städtischen Wasser- und Abwassernetzes nicht bekannt sein?

b) "Sollte jedoch später der alte Hausanschluss in Ihrem Grundtsück, z.b. im Mauerwerk oder unter der Einfriedung defekt werden, entstehen Ihnen dann erheblich höhere Kosten (....) Daher wird die Auswechselung auch im Grundstücksbereich unsererseits dringend für notwenig erachtet. "

Nein, auch das ist nicht richtig!
die angeblich so maroden Wasserleitungen des GeibelwegsWasserleitung im Geibelweg, HattersheimWie während der Bauarbeiten festzustellen, bestehen die verwendeten Hausanschlusszuleitungen ebenfalls aus PE und befinden sich in einem tadellosen Zustand!  Eigentlich ist genau das Gegenteil der Fall: die damals verlegten Leitungen weisen eine überdurchschnittlich hohe und deswegen extrem stabile Außenwandstärke von 10 mm auf (aktuell wird PE-Rohr mit 4 mm Wandstärke verlegt), frei von Rissen, Alterszersetzung, Versprödung durch Substanzschwund oder Verjüngung des Querschnittes durch Ablagerung wie die Bilder links deutlich unter Beweis stellen !   

Ist damit der als so "zwingend notwendig" beschriebene und "dringlichst empfohlene Austausch" wirklich erforderlich?

Ein klares und deutliches NEIN!
Wie das Ingenierubüro für bauphysikalische Verwendung von Thermoplasten Hessel unter Anwendung von ISO zertifizierten Prüfmaßnahmen anhand einer ebenfalls gut 40 Jahre alten PE Wasserleitung aus dem Industriepark Höchst nachweisen konnte, hätte die dort verwendete Wasserleitung noch eine Restlaufzeit von 124 Jahren gehabt !
(Den Prüfbericht zur Wasserleitung des Industrieparks Höchst finden sie hier)
Selbst unter den teilweise mangelhaften Verlegebedingungen in Okriftel (offensichtliche Verfüllungsfehler, nicht rechtwinklig geführte Leitungsführung, etc) ist nicht von einem Kollaps der verwendeten Leitungen auszugehen und ein alterungsbedingter Schaden jenseits der Erlebensgrenze der aktuellen Inhabergeneration zu erwarten!
Aber auch dies ist ganz sicher den Stadtwerken der Stadt Hattersheim bekannt. 

c) Drohkulisse Erdung
Fett hervorgehoben wurde im Anschreiben der Stadtwerke Hattersheim auch der drohende Verlust eventuell noch vorhandener Erdungsmaßnahmen über die Wasserleitung der Stadtwerke - und damit bei den fachlich nicht versierten Anliegern ein echtes Angstgefühl aufgebaut.
Dabei musste auch den Verantwortlichen bei den Stadtwerken anhand der Dokumentation bekannt sein, dass es dieses Erdungsproblem überhaupt nicht gibt bzw. nie gegeben hat!
Das gesamte Wasserleitungsnetz im Dichterviertel besteht aus PE-Kunststoffen, die zur Erdung schlichtweg nicht geeignet sind!
Aber selbst bei mangelhaft geführter Dokumentation der Stadtwerke, (wovon letztlich niemand wirklich ausgeht) hätte spätestens beim Austausch der Wasserzähler im Frühjahr 2014 festgestellt werden müssen, dass es im Dichterviertel keine erdungsfähigen Eisenrohre mehr gibt sondern auf PE Kunststoffen basierende Zuleitungen.
 
Hinzu kommt, dass die in den "Technischen Anschlussbedingungen für Niederspannungsanlagen (TAB)" der damals verantwortlichen Main Kraftwerke (MKW) bereits seit 1962 die zwingende Verpflichtung zur Erdung nach VDE 0100 Teil 540 vorgeschrieben war und somit eine Erdung über die kommunale Wasserleitung spätestens mit Ablauf der Übergangsfrist 1967 strikt verboten war.
Folge:Die Häuser des Dichterviertels wären nie an das Netz der damaligen MKW angeschlossen worden!

Aber all diese Fakten hindern die Verantwortlichen nicht, dem Anlieger zunächst einmal einen gehörigen Schrecken einzujagen - und das einzig und allein mit der Motivation, die bereits im Haushaltsplan zugesagten 23.000,- € als Beitrag der Anlieger auch tatsächlich einzutreiben!

Fazit
Eigentlich sollte man meinen, dass es mit dem ganz offensichtlichen "Über den Tisch ziehen" der Stadtverordneten bei Beschlussfassung von 314.000 €  neuer Schulden im Haushaltsplan 2014 und, ein dreiviertel Jahr später bei den Anwohnern/Anliegern im Zuge der Ausführung eigentlich genug sein sollte - doch wir wären nicht in Hattersheim unter der Egide der grünen Ersten Stadträtin Karin Schnick (zu deren Aufgaben auch das Management der Stadtwerke zählt), wenn es dabei wirklich geblieben wäre!

Anschreiben der BI an  Schnick wegen Austausch Wasserleitung Antwortschreiben Clemens Stadtwerke HattersheimDass das Missmanagement von Karin Schnick letztlich dazu führte, dass selbst der Auftragnehmer für den Austausch der Leitungen fast das Handtuch geworfen hat, weil er nicht mit notwendigen Informationen versehen wurde; dass zwingend notwendige Zufahrten für Rettungsdienste zu schwerst gehbehinderten Anliegern erst aufgrund der Intervention von Pro-Hattersheim bereit gestellt wurden; dass sich die Verantwortlichen der Stadtwerke überhaupt erst nach Schriftsatz an die verantwortliche Stadträtin kümmerte  - all das sind die sichtbaren Auswirkungen eines mehr als fragwürdigen Managements im Dezernat II

Das einzig wirklich konstante Faktum bei Karin Schnick scheint das Faktum der politischen Lüge zu sein:
"Wir müssen jetzt schnell beschließen, sonst springen die Investoren ab" (Baugebiet N91 Schokoladenfabrik und folgende Baustoppverfügung des OVG), 
"Wenn sie den Mehrkosten für die Brücke nicht zustimmen, dann zahlen wir allein an Konventionalstrafe mehr als 100.000 Euro" (Schnick-Brick, 452.000 €)
"Die ausschließliche Bewirtung des Schwimmbades durch La Caraffa ist im Grundbuch festgeschrieben" (Bewirtungsvertrag Freibad Hattersheim)
"Die Sanierung der Stadthalle kostet uns 7,3 Millionen Euro" ("Berechnung der Fachfrau" Karin Schnick zur Stadthallensanierung) 

Dass nur ein einziger Anlieger, nämlich die Grüne Stadtverordnete und ehemalige Fraktionsvorsitzende Hedi Bender auf die "Wasserleitungslüge Geibelweg" hereinfiel und den völlig intakten Hausanschluss nun austauschen ließ, mag zwar dem einen oder anderen ein Grinsen ins Gesicht treiben, aber letztlich war Hedi Bender an der Beschlussfassung von 314.000 € neuen Schulden maßgeblich beteiligt! Von den geplanten 23.000 € an Anliegergebühren sind nunmehr gerade mal 2000 € in der Kasse! Symptomatisch für das Know-How der Hattersheimer Grünen und ebenso symptomatisch für die wirtschafts- und finanzpolitische "Weitsicht" dieser gewählten "Volksvertreter"    

 

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