Eddersheimer laufen Sturm

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Der Verkauf des Lindenplatzes und des Kindergartens zugunsten einer Wohnbebauung mit 8 Reihenhäusern lässt die Bürgerinitiative für Umweltschutz, BFU zum Kochen bringen.  "Die auf dem Lindenplatz geplante Bebauung mit Familienreihenhäusern verstößt ohnehin gegen die gemeinnützige Nutzungsvorgabe gemäß der Magistratsvorlage Drs. 552 vom 04.12.2014!" so die BFU in Ihrer Pressemitteilung vom 12.07.2016, die wir hier wiedergeben

„Rettet den Eddersheimer Lindenplatz“

Der alte kath. Kindergarten in Eddersheim und die historische Friedhofsmauer von 1837 sollen abgerissen werden. Eddersheimer Lindenplatz soll verkauft und gerodet werden.
 
Der Vorstand der BfU Eddersheim protestiert auf das Schärfste gegen den geplanten innerörtlichen Kahlschlag und den Ausverkauf des Eddersheimer Lindenplatzes. Die einzigartige innerörtliche Grünanlage soll an einen Bauträger verkauft werden.  Vier gesunden und ausgewachsenen Lindenbäumen soll der Garaus gemacht werden.
Die auf dem Lindenplatz geplante Bebauung mit Familienreihenhäusern verstößt ohnehin gegen die gemeinnützige Nutzungsvorgabe gemäß der Magistratsvorlage
Drs. 552 vom 04.12.2014!

Es gibt keine Zustimmung des Stadtparlaments zu einer Bebauung und Rodung des Eddersheimer Lindenplatzes zwecks Errichtung privater Familienreihenhäuser! Der Lindenplatz ist ein kostbares Kleinod am unmittelbaren Rand des historischen Eddersheimer Ortskerns. Der Lindenplatz wurde seit 1817 für Versammlungen und
Traueraufmärsche zum Friedhof genutzt. Die dort stehenden vier prächtigen Linden haben einen Symbolcharakter. Gerade die vom Flughafenausbau besonders
betroffenen Eddersheimer Bürger vermissen aus schmerzlicher Erfahrung eine gewisse Sensibilität ihrer Stadtführung, was diesen Baumfrevel anbelangt.  

Die vorgesehene Rodung gesunder Linden ist ein unsinniger und überaus empörender Plan. Ein Baum wird für mehrere Menschenleben gepflanzt, und nicht
nur für ein paar Legislaturperioden !
 
Der Verkauf des kommunalen Lindenplatzes steht leider in sachlichem und örtlichen Zusammenhang mit den unverständlichen Plänen der kath. Kirchengemeinde, die auf dem nördlich anschließenden alten Eddersheimer Friedhof den Bau von acht Reihenhäusern zuzulassen will!

Bis zur Kündigung des Mietvertrages am 30. Juni  2016 wurde der nun leerstehende alte kath. Kindergarten Bahnhofstrasse 1 als Flüchtlingsunterkunft des Kreises
genutzt. Die Asylbewerber sind mittlerweile alle verlegt worden. Stattdessen prangt neben der historischen Eddersheimer Friedhofsmauer -  die das Areal umschließt
ein Plakat der www.rhein-main-neubau.de  einer Internetplattform des Bauträgers Terra-Immo.com in Frankfurt. Dieser Investor will  laut Planung dort eine Reihenhaus-siedlung mit Gebäuden und einen Parkplatz errichten lassen.

Das ganze Projekt hat eine gewaltige politische Dimension, da hier die Belange des Denkmalsschutzes, des Städtebaus und der Religion tangiert werden. Die CDU hat dem Vernehmen nach damals dem Verkauf des Lindenplatzes nicht zugestimmt. Nun ist sie an der Regierung und kann das Wahnsinnsprojekt stoppen. Auch innerhalb des kath. Pfarrgemeinderates ist das Projekt dem Vernehmen nach nicht unumstritten.

Das ganze Areal des alten kath. Kindergartens St. Martin liegt auf dem historischen alten Friedhof der kath. Kirchengemeinde Eddersheim; dieser wurde seit dem Jahr 1817 bis in die 1950er Jahre für Bestattungen genutzt. In 1957 wurde auf dem seit 1914 der Kirche gehörenden Grundstück ein Kath. Kindergarten und in 1963 das Schwesternhaus des Pallottinerordens errichtet (Quelle: Pfr.Bruno, „Geschichte von Eddersheim“, 1965, S.123). Unter dem heute noch unbebauten KindergartenFreigelände befinden sich die sterblichen Überreste hunderter christlich bestatteter Eddersheimer Bürger!
Ferner existiert noch die gemauerte Gruft des namhaften Eddersheimer Pfarrers und Mäzens Schenk (+1889).

Begrenzt wird das alte Kindergartenareal zur Bahnhofstrasse hin von einer intakten antiken Muschelkalkmauer, die im Jahre 1837 errichtet wurde (Quelle: Bruno, 1965)
Die Mauer ist ortsbildprägend und stellt ein schützenswertes historisches Denkmal dar. Die Kreisdenkmalbehörde ist mit dem Vorgang unter dem AZ AK
3283-2016 befasst.

Auf den Projektbildern des Bauträgers im Internet läßt sich erkennen, dass geplant ist, die historische Mauer komplett wegzureißen.
Es ist ferner geplant, den gesamten Totenacker der Pfarrei St. Martin komplett mit Reihenhäusern zu überbauen.
Es ist ferner geplant, die vier gesunden Linden zu roden und den Lindenplatz zu überbauen.
Es ist vorgesehen, den diagonal über den Lindenplatz verlaufenden sicheren Schulweg zu verlegen(!)

Auf dem alten Eddersheimer Friedhof sind noch immer viele Vorfahren der heute lebenden Eddersheimer Bürger bestattet.
Auf dem alten Friedhof sind auch die Opfer der  großen Eddersheimer Pockenepidemie in 1827/1828 begraben.

Die Entwidmung des alten, geweihten Eddersheimer Friedhofs der kath. Gemeinde St.Martin kann laut "c.1207 Codex Iuris Canonici (CIC)" kirchenrechtlich nicht wirksam erfolgen. Die wirtschaftliche Verwertung ist nicht statthaft. Weitgehend öffentlich unbekannt ist ferner die Tatsache, dass der öffentliche Eddersheimer "Lindenplatz" Ecke Bahnhofstrasse/Flörsheimer Strasse diesem Projekt geopfert werden soll.
Diese öffentliche Begegnungsstätte in der Ortsmitte dient unter anderem den Eddersheimer Landfrauen als Aufstellungsort des Oster- und Weihnachstbaumes.

Dort stehen noch vier ausgewachsene, prächtige Lindenbäume BfU-Sprecher Wolf: "Aus städtebaulicher Sicht ist eine andere, denkmalschonende und naturschonende Nutzung dieses zentralen Areals vorstellbar. Ein Hospiz oder eine Tagespflegestation ließe sich dort unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes und des Naturschutzes unter Erhalt des Lindenplatzes unterbringen." Leider hat eine Diskussion wohl auch innerkirchlich nicht stattgefunden . Eine weitere Verdichtung mit weiteren Reihenhäusern, an einer viel zu engen Kanalisation wird gewaltige Folgekosten nach sich ziehen (Kanalerneuerung Bahnhofstrasse).

Werner Schuster, BfU-Vorstand hierzu: "Die Eddersheimer sollen vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Selbst der sichere Schulweg, der über den Lindenplatz führt, ist durch die Pläne gefährdet. Dies hat auch der Magistrat in der Drucksache 552 vom 04.12.2014 Pkt.5 doch erst selbst so thematisiert."

Im Nachbarort Weilbach gibt es ebenfalls einen alten, nicht mehr für Bestattungen genutzten Friedhof. Niemand käme dort auf die Idee, diese Ruhestätten aus rein
finanzieller Motivation an Bauträger zu veräußern. Es ist auch bei Christen nicht jedermanns Sache, seine Kinder in einem Reihenhaus aufzuziehen, unter dem die Toten ruhten, so BfU-Sprecher Wolf. Für Moslems ist dies laut verschiedener Quellen sogar strikt untersagt.

"Die BfU fordert bis zum Abschluss des laufenden denkmalrechtlichen und kirchenrechtlichen Verfahrens einen Stopp sämtlicher Verkaufsverhandlungen und eine Neubewertung in der Stadtverordnetenversammlung am 14.07.2016" so Werner Schuster abschließend.

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