Bürgermeisterin will Flüchtlinge in der Kinderbetreuung einsetzen

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Die Diskussion über aufzunehmende Flüchtlinge in Hattersheim geht weiter. Heute ist im Höchster Kreisblatt zu lesen: "Der Main-Taunus-Kreis hat es abgelehnt, sich darum zu kümmern, Flüchtlinge auch nach Stadtteilen gleichmäßig aufzuteilen. Die Stadt Hattersheim prüft derweil Arbeitsmöglichkeiten für die Asylbewerber."

In  der Diskussion über die Aufnahme von Flüchtlingen, findet immer häufiger und mit gutem Grund das Argument der Humanität Einzug. Es ist ein Gebot der Humantiät, Menschen in Not zu helfen. Selbstredend kann und darf uns das Schicksal der Menschen, die unter schwierigsten Bedingungen Ihrer Heimat verlassen haben, nicht egal sein. Nicht zuletzt auf Grund ständig wachsender Flüchtlingsströme dürfen und können wir nicht (mehr) wegschauen und uns mehr Sorgen um Besitzstandswahrung, als um unsere MItmenschen machen.

Und ebenfalls mit gutem Grund erfahren wir fast täglich von den schweren Traumata, die Flüchtlinge in ihrem Heimatland oder/und auf ihrer Flucht durchleiden. Am 30. September veröffentlichte die Welt ein Interview mit der Psychologin Dr. Maggie Schauer unter dem  Titel "Wie Flüchtlinge auf ihrem Weg traumatisiert werden".  Die Expertin, die schon zahlreiche traumatisierte Flüchtlinge behandelt hat,  beschreibt darin: " Die Menschen, die in den letzten Jahren über das Mittelmeer kamen, durchquerten meist viele andere Länder und Konfliktregionen. Hunderttausende sind in der Wüste Richtung Nordafrika unterwegs. Unzählige Menschen leben in den Büschen an der Küste und warten auf ihre Gelegenheit überzusetzen. Dabei machen sie Schreckliches durch: Sie sehen Tötungen mit an, werden vergewaltigt oder landen in Gefängnissen."

Schauer lässt keinen Zweifel, dass es dabei nicht um Einzelfälle handelt. Sie stellt fest: "Ja, für die allermeisten ist die Flucht potenziell traumatisierend, vor allem, wenn sie schon als Fluchtgrund lebensbedrohliche Situationen erfahren mussten. Durch die zumeist über mehrere Generationen andauernden Krisen in ihrer Heimat werden Flüchtlinge bereits dort traumatischem Stress ausgesetzt und sind somit allgemein anfälliger für psychische Störungen. Übrigens ein nicht zu unterschätzender Faktor für die späteren psychischen Beeinträchtigungen ist die massive familiäre Gewalt in der Kindheit vieler Flüchtlinge. In vielen Herkunftsländern werden Kinder noch regelmäßig körperlich misshandelt. Wenn dann noch Kriegserlebnisse und andere Traumata einwirken, zerbricht der Mensch."
 

In zahlreichen Publikationen erfahren wir über die schweren Traumatisierungen der Flüchtlinge , mit denen  für  verstärkte Aufnahme, für verbesserte Einreisebedingungen und Hilfestellung appelliert wird. Die ärztliche Friedensorganisation IPPNW hatte schon vor einem  Jahr  formuliert: "Viele der nach Deutschland kommenden syrischen  Flüchtlinge bedürfen des besonderen Schutzes. Aufgrund der durchlittenen Kriegs- und Gewalterfahrungen muss angenommen  werden, dass viele von ihnen traumatisiert sind."

Umso erstaunlicher ist die neuste Idee von Bürgermeisterin Antje Köster, die heute im Höchster Kreisblatt nachzulesen ist . Die Stadt denke darüber nach, Asylbewerber für gemeinnützige Arbeiten einzusetzen. „Wir denken auch über einen Einsatz in der Kinderbetreuung nach“, so Köster. Der Sozialausschuss der Stadtverordnetenversammlung beschloss, die Bemühungen der Verwaltung in dem Punkt zu unterstützen."

Wie bitte? Schwerst traumatisierte Menschen sollen in Hattersheim in der Kinderbetreuung eingesetzt werden????? Menschen, die als besonders schutzbedürftig gelten, bei denen Ärzte eine besonders hohe Wahrscheinlichkeit für schwere psychische Störungen, posttraumatische Belastungsstörungen, schwere Angstzustände, Depressionen mit Suizidalität , Selbsttötungen, Zukunftsangst, weitere Folgekrankheiten (z.B. als psychosomatische Krankheitsbilder ) und nicht selten psychotische Episoden feststellen, sollen künftig in Hattersheim in der Kinderbetreuung eingesetzt werden?
Man mag es kaum glauben, dass eine solche Idee von der ehemaligen Leiterin des Sozial-und Jugendamtes, der heutigen Bürgermeisterin, geäußert wird. Man sollte annehmen, dass gerade ein Leiter des Sozial-und Jugendamtes um die Schwierigkeiten und Gefahren weiß, die sich für Kinder durch psychische Erkrankungen der Eltern ergeben.
Eine psychische Erkrankung der Eltern gilt unumstritten als Risikofaktor für Kinder und wird in deutschen Jugendämtern immer wieder als Grund für eine Inobhutnahme angeführt.

Ja, Flüchtlinge brauchen unsere Hilfe. Aber diese Idee ist keine Hilfe, sondern ein gefährlicher Versuchsballon, der jegliche Realität , die Erfahrungen und Expertiesen der Fachleute in den Wind schreibt.

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